Gesellschaft von Freunden und Förderern der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald e. V.
Markt 4 | 17489 Greifswald | 03834 769949

Jahreshauptversammlung 2017

Samstag, 18.11. um 11:00 Uhr im Audimaxgebäude

Tagesordnung (alle Punkte sind öffentlich):
11:00 Uhr Willkommen
11:15 Begrüßung und Eröffnung durch den Präsidenten Egbert Liskow und Bericht aus dem Landtag
11:25 Formalia zu Einladung und Tagesordnung
11:30 Grußwort der Rektorin und Vizepräsidentin und Bericht zu Situation und Entwicklung der Universität
11:45 Festvortrag von Prof. Dr. Bach zum Umgang mit Geschichte am Beispiel Martin Luthers

12:45 Mittagspause
13:45 Rechenschafts-/Geschäftsbericht des Vorstands
14:15 Aussprache
14:30 Antrag Satzungsänderung
14:45 Neuwahl des Vorstands
15:00 Neuwahl der Kassenprüfer
15:10 Vorstellung der Studienjahrchroniken von Prof. Dr. Luckas
15:45 Ideensammlung und Schluss des offiziellen Teils
19:00 wer möchte: geselliger Teil am Abend

Positionspapier zur Namensdebatte (von Prof. Dr. Martin Schnittler)

Brauchen wir Ernst Moritz Arndt als Namenspatron?

Zu diesem Thema ist eigentlich fast alles gesagt: Es gab eine Tagung zum Thema (28./29. Mai 2010), es gab eine Anhörung dazu (11. Dez. 2009), dann eine Vollversammlung der Studierenden (17. Juni 2009), schließlich einen Senatsbeschluss zum Erhalt des Namens (17. März 2010). Für eine demokratische Entscheidungsfindung sollte dies mehr als ausreichend sein.

Technisch gesehen, kommt eine Universität auch ohne Namenspatron aus, wie das die (ehemals Wilhelm Pieck) Universität Rostock zeigt. Die Frage ist aber keine technische Frage, denn ein bestehender Name ist auch ein eingeführtes Markenzeichen. Cornflakes ohne „Kellogs“ gibt es, aber die mit dem Namen verkaufen sich zu höheren Preisen, wie wir alle wissen.

Ja, es stimmt: Arndt polarisiert. Er war ein streitbarer Geist, und in seinem Werk mischen sich demokratische Elemente mit harscher Polemik. Seine Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern (1803) half, diesen Landesteil aus seiner Rückständigkeit zu befreien. Seine Mitarbeit im Paulskirchenparlament von 1848 war ein wichtiger Beitrag, demokratische Grundsätze in der werdenden Nation zu verankern. Um dieser für seine Zeit demokratischen Auffassungen willen erduldete er ein 20jähriges Berufsverbot. Aber wir finden auch andere Zitate bei ihm, nationalistische und antifranzösische, denn zu seiner Zeit erhob sich Napoleon zum Ursupator Europas. Und auch antisemitische. Das alles können und müssen wir heute, retrospektiv, kritisch beurteilen.

Ein Vergleich mit einem anderen berühmten Namen macht das deutlich: es ist Martin Luther; dieses Jahr feiern wir den 500. Jahrestag der Reformation. Er ist der Namenspatron der Universität Halle-Wittenberg, denn auch er wirkte in der Region, in der die Universität entstand: so wie Arndt. Auch dieser Name wurde 1933 vergeben: so wie bei Arndt. Auch dort war es der unselige Hermann Göring, der zu dieser Zeit preußischer Innenminister war, aber weder Luther noch Arndt können etwas dafür. Wir finden progressive Gedanken zur Reformation des Bildungssystems bei Luther („An den christlichen Adel deutscher Nation...“, 1520); so wie bei Arndt („Fragmente über Menschenbildung“, 1805-1809). Auch in Luthers Werk mischt sich geschliffene Sprache mit zum Teil grober Polemik, eine der späteren Schriften Luthers hat ebenfalls klar antisemitische Tendenzen („Von den Juden und ihren Lügen“, 1543). So wie bei Arndt – aber wird Halle deshalb den Namen Luther ablegen?

Dieser Vergleich macht deutlich, warum die jetzige, wiederaufgenommene Diskussion zur Abschaffung des Namens unklug ist. Eine Universität, die sich die Fähigkeit abspricht, mit einem Namenspatron kritisch umzugehen, ist eine arme Universität. Arndt ist ein Teil der pommerschen Geschichte – der Region, in der unsere Universität steht. Wie können wir sinnvoll ein Romantikzentrum aufbauen, wenn wir Arndt, der mit seinem Zeitgenossen Caspar David Friedrich im Briefwechsel stand, aus falsch verstandener politischer Korrektheit negieren? Er war der pommersche Beitrag zur Schaffung eines Nationalstaaten aus dem Flickenteppich vieler kleiner Fürstentümer – ist das nicht sehr aktuell angesichts der gegenwärtigen Krise der EU?

Wir sollten uns nicht provinziell machen: jede historische Person lässt sich in die eine oder andere Richtung instrumentalisieren. Das wird in der Rezeptionsgeschichte Schillers im Dritten Reich sehr deutlich (1934: Friedrich-Schiller-Universität Jena). Kritikfähigkeit ist angesagt, und wer sollte besser zur kritischen Rezeption in der Lage sein als die Studierenden und Mitarbeiter einer Universität? Arndt ist Teil der Geschichte der Region; wir haben eine Arndt-Straße, eine Arndt-Schule; sein Geburtshaus steht auf Rügen. Aber auch durch ganz Norddeutschland gibt es Schulen, die nach Arndt benannt sind – das zeigt ein kurzer Blick in Wikipedia. Die Messlatten heutiger politischer Korrektheit oder heutigen Demokratieverständnisses an historische Personen anzulegen, zeugt von unprofessionellem Umgang mit Geschichte. Aus diesem Grunde spricht sich der Förderverein der Universität dafür aus, zum Senatsbeschluss von 2010 zu stehen und die Diskussion um den Namen der Universität zu beenden – nicht aber ohne auch weiterhin kritische Forschung zu der historischen Person Arndt zu fördern.

Nachtrag: Was ist nun der beste Weg, hier eine Entscheidung zu fällen? Zum Einen gibt es Kompromissvorschläge, die das Potenzial haben, sowohl Befürwortern als auch Gegnern der Namenspatronage entgegenzukommen. Ebenso wie jede andere Entscheidung muss auch ein Kompromissvorschlag demokratisch legitimiert sein. Dies sollte auf der breitest möglichen Basis geschehen; eine rein hochschulinterne Debatte und Entscheidungsfindung greift zu kurz. Eine Universität stellt als höhere Bildungseinrichtung eine wesentliche Grundkonstituente des kulturellen Selbstverständnisses eines Landes dar und ist nicht als abgesonderter privatrechtlicher oder gar ökonomischer Bereich zu verstehen. Eine demokratische Legitimierung wäre einerseits durch kommunale Bürgerentscheide - was den Rahmen zu eng fassen würde - oder landesweite Volksentscheide, andererseits in der Entscheidungshoheit der demokratisch gewählten Landesregierung gewährleistet. Somit wären Bildungspolitik und Kulturpolitik - um die es bei der Frage nach der Namenspatronage geht - auch gleichsam in der Instanz vereint, in der eine Entscheidung über den Namen unserer Hochschule sinnvoller- und demokratischerweise institutionell verankert werden könnte.

Impressionen der Jahreshauptversammlungen 2011-2016

Trauer um Prof. Dr. Wolfgang Joecks

Die Universität Greifswald trauert um Prorektor Prof. Dr. jur. Wolfgang Joecks, der am 9. August 2016 unerwartet verstarb. Er war seit Ende 1992 Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht, insbesondere Wirtschafts- und Steuerstrafrecht an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Greifswald. Von 2007 bis 2009 sowie seit 2012 war er Prorektor für Lehre, Studium und Weiterbildung.

„Wir sind fassungslos angesichts des plötzlichen Todes und können es noch nicht wahrhaben, dass Wolfgang Joecks in seiner positiven, starken und kraftvollen Persönlichkeit nicht mehr unter uns weilt. Wir erinnern uns an die vielen Pläne, die er für die nahe und weitere Zukunft hatte, an die Energie und Lebensfreude, mit der er seine Ziele verfolgt und die Gradlinigkeit und Klugheit, mit der er sie erreicht hat. Wolfgang Joecks hat in vielen Funktionen und Ämtern der Universität Greifswald gedient und sie entscheidend mitgestaltet. Sein Tod ist ein unersetzbarer Verlust,“ so Rektorin Prof. Johanna Weber.

Prof. Dr. Wolfgang Joecks wollte, dass statt Kränze Geldspenden zugunsten der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät eingehen. Gespendet werden kann auf das Konto DE60150505000000002100 der Gesellschaft von Freunden und Förderern der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald.